Hans Rodenberg-Die Geschichte eines Verrates

Wieder einmal habe ich ein Buch gefunden,welches Fragen aufwirft.Warum gibt es bis dato keine Aufarbeitung eines Verrates?Es handelt sich um das Buch von Susanne Leonhard"Flucht ins Verhängnis" vom Herder-Verlag 1983.Susannne Leonhard emigrierte in den 30-iger Jahren in die Sowjetunion und wurde dort im Jahre 1936 durch den NKWD verhaftet.Bis 1948 verbrachte sie in der Hölle des Gulag.Massgeblich war daran ein Mann beteiligt,der später in der DDR bis in höchste Funktionen aufstieg und sogar auf dem Friedhof der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde in einem Ehrengrab beigesetzt wurde.Bis heute habe ich keine Hinweise gefunden, das seine Biografie in dieser Hinsicht korrigiert wurde,auch nicht in der Aufarbeitungsphase nach der Wende.Dieser Mann hiess Hans Rodenberg.Seine Biografie ist im Wiki nachzulesen.Nun im Zitatauszug aus dem Buch von Susanne Leonhard die Tatsachen,S.54 ff.

"Mein erstes Verhör nach dem 7.November begann mit der alten Frage,ob ich mein Geständnis über meine antisowjetisch-trotzkistische Agitation ablegen wolle.Ich sagte, ich hätte nichts zu gestehen."Nun,dann werde ich es Ihnen vorlesen." Sie nahm ein an die 30 Blatt dickes Schriftstück und las mir etwas stockend-denn sie übersetzte aus dem Russischen-Wort für Wort alle Gespräche vor,die ich in Moskau mit Hans Rodenberg -und nur mit ihm-geführt hatte,mit dem einzigen Unterschied,daß nicht nur meine eigenen Worte,sondern auch die provokatorischen Reden Rodenbergs in dieser Niederschrift als meine Äußerungen protokolliert waren.Es fehlte nichts.Alle Themen, die jemals Gegenstand unserer Diskussionen waren:militärische Jugenderziehung,Heroenkult und Byzantinismus,Machthunger Stalins,fiktive Verfassung,Knechtung der freien Meinungsäußerung,Staatsmonopol der Presse und falsche Berichterstattung über das Leben im Ausland,kulturelle Rückständigkeit der Massen,niedriger Lebensstandard in der Sowjetunion,soziale Ungleichheit,Stachanows System und progressive Leistungslöhne-aber auch ernste theoretische politische Themen,die wir diskutiert hatten:Lenins Etatismus,Entmachtung der Räte,Einsatz der Staatsmacht als Werkzeug zur Umgestaltung der Gesellschaft,Verstaatlichung statt Vergesellschaftung der Produktionsmittel,Primat der monolithischen Partei,Unterordnung der Komintern unter das Politbüro der Bolschewiki,permanente Revolution-alles,alles,jedes Gespräch war ausführlich niedergeschrieben,sogar die Trotzkij-Broschüre war erwähnt und unsere Unterhaltung über die verbotenen Bücher...

Darauf war ich allerdings nicht gefaßt gewesen.Rodenberg in NKWD-Diensten!Darum die vielen Verhaftungen unter seinen Freunden!Daher die Möglichkeit,seine Gäste mit Torte und Weintrauben zu bewirten.Deshalb hat es ihn glücklich gemacht,in mir einen Menschen gefunden zu haben,mit dem man sich mal so richtig aussprechen könnte!" Ende des Auszuges.

In der Beurteilung dieser Darstellung, die für mich äusserst glaubhaft ist,besteht wohl ein echter Bedarf die Biografie dieses Mannes neu aufzuarbeiten.Wie gesagt habe ich keine Hinweise in dieser Richtung gefunden und deshalb Dr.Elke Leonhard,die Schwiegertochter und Herausgeberin des Buches angeschrieben,um vielleicht noch mehr Licht in diesen Vorgang zu bringen. 


Brief an Dr.Elke Leonhard
Brief an Dr.Elke Leonhard